Sportförderung am DHG
 

Leonie Beck- der neue Stern am Freiwasserhimmel

Leonie Beck ist eine ehemalige Schülerin des Deutschhaus-Gymnasiums und gehört seit vielen Jahren zur Elite des Deutschen Schwimmsports. Unzählige Deutsche Jahrgangsrekorde und Titel konnte sie bereits in jungen Jahren sammeln. Ihr wohl größter Erfolg, die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, entwickelte sich zur schlimmsten Enttäuschung ihrer Karriere. Trotz Fieber ging die damals erst 18jährige an den Start und blieb bei ihrer Paradedisziplin, die 800m Freistil, 20 Sekunden über ihrer Bestzeit. Nach dieser Enttäuschung entschied sie sich neue Wege einzuschlagen und wir, ihre ehemaligen Teamkolleginnen, trafen sie zu einem Interview um ihre jüngsten Erfolge zu feiern. 


Herzlichen Glückwunsch zu deinem großartigen Erfolg bei der Europameisterschaft in Glasgow mit Doppel- Silber im Freiwasserschwimmen.


Du bist ja ursprünglich eine Beckenschwimmerin gewesen. Wann und warem hast du dich dazu entschieden zum Open Water Swimming zu wechseln?


Obwohl die Olympischen Spiele mein größter Erfolg bis dato waren, konnte ich bei meinem Rennen nicht die gewünschte Leistung abrufen. Ich war natürlich super enttäuscht, vier Jahre hartes Training, kaum Freizeit und dann so einen Niederlage. Lange bin ich dann in Rio auch nicht mehr geblieben, da es mir gesundheitlich nicht besserb ging. Zurück in Würzburg nahm ich mir erst einmal eine Pause, Zeit um über die Zukunft nachzudenken. Zuerst versuchte ich es nochmal mit dem Beckenschwimmen, aber ich konnte nie wirklich an meine Bestzeiten anknüpfen. Ich wollte neue Wege einschlagen, die Wunde über die Niederlage bei den Olympischen Spielen saß noch zu tief. Und so entschied ich nach langen Gesprächen mit meinem Trainer Stefan Lurz und meinen Eltern, dass ich in die Fußstapfen von Thomas Lurz, dem erfolgreichsten Freiwasserspezialist, treten werde und ab da Wettkämpfe in freien Gewässern bestreite.

Siehst du nach dem Misserfolg bei den Olympischen Spielen 2016 diese beiden Silbermedaillen als kleine Entschädigung?


Ich versuche nicht mehr allzu oft an die Olympischen Spiele zu denken. Ich weiß, wie groß die Enttäuschung darüber war und die Erinnerung würde mich nur demotivieren. Das Ziel beim Wechsel in die Spate Freiwasser- Schwimmen war, dass ich ein vollkommen neues Kapitel aufschlage und deshalb konnte ich mich vollkommen unvoreingenommen über meinen Erfolg freuen.

Hast du dir nach der Europameisterschaft eine längere Pause genommen?


Nein, leider nicht wirklich. Der nächste Wettkampf ist in Abu Dhabi, bis dahin ist nicht mehr viel Zeit. So musste ich nach der Ankunft zu Hause sofort weiter trainieren. Aber klar, ein wenig Abschalten konnte ich doch (Schmunzeln). Ich habe mit Stefan, meinem Trainer, gesprochen und mir so eine Woche aktive Erholung gegönnt. Also dennoch lockeres Schwimmen am Tag mit Ergänzungstraining, wie Radfahren oder Laufen.

Das nächste große Event sind die Weltmeisterschaften 2019 in Gwangju (Südkorea). Können wir da mit dir rechnen?


Der nächste Weltcup ist wie gesagt in Abu Dhabi und dort beginnt dann gleihzeitig auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Also wenn ich beste deutsche Schwimmerin bei den nächsten Rennen bin, dann sollte ich mich erfolgreich für diese qualifizieren (lächelt). Das ist auf jeden Fall meine tägliche Motivation. 

Wie konntest du Schule und jetzt dein Studium vereinbaren mit der Vielzahl der Trainingseinheiten in einer Woche?


Ich war zu meiner Schulzeit in der Sportklasse und Sportakademie des Deutschhaus- Gymnasiums in Würzburg. Dort wurde mir ermöglicht, mehr Schulzeit für Training zu nutzen und den Stoff eigenverantwortlich zu lernen. Außerdem wurde mir immer Freiraum für Wettkämpfe geschaffen und diese auch mit den Klausuren koordiniert. Heute studiere ich an der Universität Würzburg Medienkommunikation im siebten Semester. Aber auch hier sind meine Professoren mehr als verständnisvoll. Ich kann ohne Probleme in Seminaren fehlen, muss aber auch hier den verpassten Stoff nachholen.

 

Thomas Lurz, ehemaliger Freiwasserspezialist, ist Präsident in deinem Verein. Tauscht du dich mit ihm über seine Rennen und Taktiken aus und holst du dir den ein oder anderen Rat bei ihm?


Ja, hier habe ich wohl größer Glück. Er erzählt mir viel von seinen Rennen und seiner Taktik, somit habe ich bestes Insiderwissen (sie lacht). Aber er trainiert auch noch oft mit mir und meinen Trainingspartnern, was nochmal eine extra Motivation ist. Wer will nicht mal schneller schwimmen als der 12-fache Weltmeister und Medaillengewinner bei Olympischen Spielen? Selbstverständlich ist er mein größtes Vorbild, sowohl sportlich als auch privat. Wir sind sehr gute Freunde, ich gehe häufig zu ihm nach Hause, um auf seine beiden kleinen Kinder aufzupassen.


Wir sagen vielen dank für das Interview und wünschen dir nur das Beste für die Zukunft. Wir sehen dich sicherlich auf der Leinwand bei der Übertragung der Weltmeisterschaft und hoffen, dass du uns am Deutschhaus- Gymnasium mal besuchen kommst. Alles Gute Leonie, wir drücken dir die Daumen...

(Leonie u. Laura Neumann)