Sportförderung am DHG

 

Ein Interview mit Lothar Freyeisen

Zur Person:

Lothar Freyeisen war von 1975 bis 2006 Lehrer am DHG und war zuständig für das Rudern an unserer Schule. Neben seinen herausragenden Leistungen als Trainer (mehrmalige Teilnahme an Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Deutschen Meisterschaften), hat er die  Etablierung einer Sportförderung am DHG möglich gemacht. Herr F. war Deutsch- und Sportlehrer am DHG, viele Jahre auch Landesschulobmann Rudern im Auftrag des Bayerischen  Kultusministeriums.


 

Herr Freyeisen, Sie waren seit 1975 an der Schule als Lehrer tätig. Gleichzeitig waren Sie noch Rudertrainer beim WRVB. Wie kam es dazu, dass der Rudersport dann in die Schule integriert wurde?

Es gab zuallererst ab 1970 eine von mir etablierte Ruderneigungsgruppe am Röntgengymnasium, später auch am Riemenschneider- und Siebold-Gymnasium, beide allerdings aus Zeitgründen nur im kleineren Stil. Nach meinem Wechsel 1975 ans DHG  führte ich die Neigungsgruppe dort weiter. Das Training fand immer am Nachmittag nach der Schule statt. Die Gruppe bestand aus 5-10 Jungs, die alle im Alter von 15 und 16 Jahren waren. Für mich lag schon immer der Fokus auf dem Wettkampfrudern.

 

Und wann beziehungsweise wie kam dann die Veränderung von der Neigungsgruppe zum Stützpunkt?

Der genaue Zeitpunkt ist schwierig zu benennen, wir brauchten auf jeden Fall Unterstützung für die Neigungsgruppen. Dazu kam eine allgemeine Kritik am Sportunterricht in Bayern. Daraufhin wurde vom Kultusministerium der Status Stützpunktschule eingerichtet, der den bayerischen Schulsport fördern sollte. Das Kultusministerium hat dann das DHG als Stützpunktschule des Rudersports für Bayern ausgewählt, da Würzburg auch die erfolgreichsten Schülerruderer in Bayern stellte. Finanziell und materiell unterstützt wurde die Schule dann vom BLSV (Bayerischer Landesportverband), vom Kultusministerium und vom WRVB, der die Boote und alles Drumherum zur Verfügung gestellt hat. Hinzu kam noch eine sehr gute Unterstützung durch die Schulleitung!

 

Jugend trainiert für Olympia ist nach wie vor der bekannteste Schülerwettkampf in Deutschland. Gab es diesen Wettkampf zu Ihrer Zeit auch schon? Haben Sie damals dann mit Ihren Sportlern daran auch teilgenommen?

Ja, natürlich! Wir konnten sogar mehrere Siege in Berlin, beziehungsweise mehrere Medaillen mit unseren Schülerruderern erkämpfen. Einige dieser Sportler sind dann später auch in die Nationalmannschaft gekommen. Viele meiner Ruderer waren auch abgesehen vom Schulsport national und international sehr erfolgreich. Einige haben dann auch an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilgenommen.

 

Haben Sie das alleine gemacht? Das Training und gleichzeitig als Lehrer zu arbeiten, kostet ja auch sehr viel Zeit, oder?

Ja, die ersten Jahre eigentlich alles alleine. Zuerst auch ohne zusätzliche Stunden von der Schule. Im Laufe der Jahre habe ich dann wegen meiner Arbeit als Schulrudertrainer 2 bezahlte Wochenstunden  zusätzlich bekommen. Herr Händle kam ab 2003 als Rudertrainer und Lehrer dazu und unterstützte mich in der Gruppe.

 

Aber diese beiden Wochenstunden reichen ja noch lange nicht aus, um die Ruderer fit zu bekommen und erfolgreich zu machen. Wie sah denn das Training dann konkret aus?

Die Schüler wurden alle in das Vereinstraining mit eingebunden und haben somit tägliches Training beim WRVB absolvieren müssen. Ich habe das Prinzip verfolgt, dass viel Training viel bewirkt. Es gab dennoch Schüler, die das Rudern nur als Freizeitsport betrieben haben. Die haben sich dann dem Vereinsbreitensport angeschlossen.

 

Sie sagten, dass sie nach und nach mehr Unterstützung von Seiten der Schule bekommen haben. Was haben Sie dann bis 2006 an Veränderungen empfunden?

Es wurden jedenfalls immer mehr Sportler, zeitweise sogar 80 bis 100 Schüler. Eine riesige Gruppe, die wir betreuen mussten.

 

Es gibt ja auch noch andere Sportarten, für die das DHG nun Stützpunktschule ist. Hatten Sie mit denen auch zu tun?

Nein, eigentlich nicht. Mit dem Ruderstützpunkt fing die Sportförderung durch die Schule ja erst an. Das ging viele Jahre so. Ich bin mir nicht mehr sicher, wann die anderen Sportarten dazu kamen. Mittlerweile sind es ja noch Basketball, Fußball, Schwimmen und die Individualsportarten, wie zum Beispiel Fechten. Darum hat sich dann aber vor allem Herr Händle gekümmert.

 

Viele Schüler kommen ja mittlerweile extra wegen der Sportförderung ans DHG. Hierbei ergeben sich ja besonders in der Oberstufe Vorteile für die Schüler. Gab es das zu Ihrer aktiven Lehrerzeit auch schon?

In keiner Form. Es gab keine Vergünstigungen für die Schüler. Das einzige war die Freistellung vom Unterricht für Regatten. Am Anfang war auch samstags noch Unterricht, was die Sportler zusätzlich eingeschränkt hat.

 

Es war doch bestimmt auch sehr schwer, engagierte Sportler zu finden, die bereit sind, ihre Freizeit dem Rudern zu widmen. Haben Sie dafür irgendeine Form von Werbung betrieben?

Ich war zunächst kein Anhänger von Werbeaktionen, weil ich befürchtet habe, dass es dann zu viele Sportler werden würden. Mir war Qualität wichtiger als Quantität. Es hat sich nach und nach entwickelt und wir haben uns bayernweit einen guten Ruf erarbeiten können.

 

Und wie kann man dann jetzt die „richtigen“ Sportler erkennen?

Ich hatte den richtigen Blick (lacht!!). Wichtig ist das Zusammenspiel von Physis und Belastungsverträglichkeit. Man muss viel Training aushalten können und sehr ehrgeizig sein. Ich habe allerdings nie weniger erfolgreiche und ambitionierte Sportler wieder aus der Trainingsgruppe ausgeschlossen. Diese konnten trotzdem in der Gruppe mittrainieren.

 

Ihre Verabschiedung von der Schule ist ja jetzt auch schon fast 10 Jahre her. Haben Sie dennoch Kontakt zur Schule und zum Ruderverein?

Wenig. Ich stehe immer noch in Kontakt mit früheren Vereinskameraden und verfolge die aktuellen Erfolge der Nachwuchsruderer, aber zur Schule habe ich keine großen Verbindungen mehr, mit Ausnahme zum monatlichen Senioren-Stammtisch der ehemaligen DHG-Lehrer.

                                

Sie haben ja auch sehr viel für den Rudersport geleistet, da ist es verständlich, dass Sie mittlerweile andere Interessen bevorzugen. Dann danken wir Ihnen für dieses aufschlussreiche Interview! 

Von Josephine Kiesel und Anneke Mau