Sportförderung am DHG
 


Interview des Monats

Oktober 2018: Ex-DHGlerin Jessika Schiffer

 

Jessika Schiffer wechselte nach erfolgreichem Absolvieren ihres 10. Schuljahres aus Rhöndorf nach Würzburg, um in ihren letzten beiden Jahren die besondere und einzigartige Sportförderung des Deutschhauses genießen zu können. Trotz schulischem Erfolg, der von einem glorreichen Abitur im Mai 2018 gekrönt wurde, gelang es ihr in der Oberstufe, den Sport zu meistern. Jessika spielte nicht nur als eine der wichtigsten Leistungsträger in den Teams weibliche Nachwuchs-Bundesliga, Regionalliga Damen und sogar 2. Bundesliga Damen der TG Würzburg, sondern schaffte nebenbei auch noch mühelos den Sprung in die Nationalmannschaft, in der sie auch als hochgeschätztes Mitglied stets zum Zuge kam. In dieser gelang auch die Qualifikation für die diesjährige Europameisterschaft in Italien, zu welcher sie kurz nach Erhalten ihres Abiturzeugnisses aufbrach. Wir sprechen persönlich mit Jessika, damit sie uns mehr über dieses aufregende Ereignis und den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft berichtet

 

Jessika, wie schafft man es, bei der EM für Deutschland zu spielen?

Der Auftaktlehrgang findet circa einen Monat vor Beginn der EM statt. 16 nominierte Spielerinnen trainieren von da an zusammen in unterschiedlichen Trainingsstätten in ganz Deutschland. Der Kader wird immer weiter aussortiert, bis sich schlussendlich die 12 Spieler für die Meisterschaft herauskristallisieren. Zur Vorbereitung gehören auch verschiedene Freundschafts-Turniere im Ausland. Dieses Jahr waren wir beispielsweise mit dem Team in Frankreich und Spanien. Natürlich steht außer Frage, dass man für die Nominierung unter den besten 16 das ganze Jahr hart und intensiv trainieren muss.

 

Du hast schon letztes Mal das Land bei einer Meisterschaft vertreten. Hast du erwartet, dass du dieses Jahr wieder dabei bist?

Man kann im Basketball nichts erwarten, man muss sich alles hart erkämpfen. Nur weil man im letzten Jahr dabei war, ist das keine Freikarte. Andere Spieler, die letztes Mal den Sprung vielleicht nicht geschafft haben, haben sich weiterentwickelt, neue kommen dazu. Die Mannschaft formatiert sich jedes Jahr neu. Natürlich habe ich gehofft, nochmal für Deutschland spielen zu dürfen, was mir zum Glück ja auch gelang.

  

Wie viel Training steckt hinter einem Nationalspieler? Hast du dich besonders vorbereitet?

Ich habe die ganze Saison, vor allem aber nach den letzten Spielen, als es in die finalen Vorbereitungen ging, hart trainiert. Das bedeutet jeden Tag mindestens eine Stunde Individualtraining, beispielsweise für Wurf, Ausdauer, Sprint oder Ballhandling. Natürlich muss man das auch noch mit der Schule verbinden und manchmal musste ich meinen Trainingsplan in der Abiphase anpassen. Als dann das Teamtraining losging, hatte man im Durchschnitt zwei Trainings am Tag, davon mindestens ein Mannschaftstraining.

 

Wie haben du und das Team euch mental auf das erste Spiel eingestellt?

Ein zentraler Punkt der Vorbereitung sind Videoanalysen. Auf Filmen vergangener Spiele kann man Schwachpunkte des Gegners erarbeiten und sich auf sie vorbereiten, aber auch die eigenen Fehler analysieren und an ihnen arbeiten. Das gibt einem Sicherheit. Wir haben als Team unsere Ziele von vorne herein klar ausgesprochen. Der Plan war sich auf jedes einzelne Spiel zu fokussieren und sich schrittweise vorzukämpfen, anstatt die Augen von Anfang an auf das Finale zu richten.

 

Während der EM kam es in deinem Team zu vielen Verletzungen. Wie wurdet ihr dadurch beeinflusst?

Natürlich gab es viele Verletzungen, doch wir wussten immer, dass wir uns auf unsere medizinische und physiologische Begleiterin verlassen konnten und sie uns so schnell wie möglich wieder hinbekommen wird. Es trifft einen selbstverständlich, wenn ein Teamkollege sich verletzt und das vielleicht sogar, dass das Aus für seine Natiokarriere bedeutet, doch wir haben versucht, uns davon nicht runterziehen zu lassen und die Leute zu unterstützen. In manchen Situationen hat es uns sogar zusätzlich motiviert, für diese Person alles im Spiel zu geben und für sie den Pokal zu holen.

 

Wie war die Stimmung vor dem Finale innerhalb des Teams beziehungsweise mit den Coaches? In welcher weise habt ihr euch gegenseitig motiviert?

Es war eine sehr positive Stimmung. Wir haben uns optimal vorbereitet, alles bis ins genauste Detail besprochen und hatten hart trainiert. Man merkte, dass das ganze Team von sich überzeugt war und alle an diesen Sieg glaubten. Mit den Gegnern hatten wir noch eine Rechnung von vor zwei Jahren offen, die wir jetzt begleichen wollten. Auch unsere Coaches waren spürbar aufgekratzt und motiviert, den Titel zu erkämpfen. Wir waren ein einzigartiges Team und spürten, wie viele Leute hinter uns standen und uns unterstützten. Letztendlich gingen wir in dieses Spiel, um ein letztes Mal als Mannschaft richtig Spaß auf dem Court zu haben.


Nach einer so erfolgreichen EM wurde nach dem Finale sicherlich gefeiert, oder?

Ja, es wurde gefeiert, wir gingen als Team am Abend weg, hatten eine menge Spaß und konnten unseren Sieg fast noch gar nicht glauben. Doch wir waren auch unheimlich stolz; wir haben hart gekämpft und uns das Ding verdient. Das merkte man eindeutig in der Stimmung der gesamten Mannschaft, eingeschlossen das gesamte Team, das hinter den Spielern steht, wie Coaches, Physio, Betreuer und viele andere, die immer für uns da waren

 

Im Sommer 2019 steht die Weltmeisterschaft in Thailand an. Planst du dabei zu sein und wie wirst du dich darauf vorbereiten?

Wie ich vorhin schon gesagt habe, kann man mit nichts rechnen, doch es ist auf jeden Fall mein Ziel für die kommende Saison. Ich werde weiterhin in der TG Würzburg in der 2. Bundesliga für die Blue Sharks spielen und nebenbei ein Freiwilliges Soziales Jahr im Verein absolvieren, zum einen um so ein bisschen der Dienste, die er für mich geleistet hat, zurückzugeben, zum anderen, weil ich so viel mehr Zeit habe, um mich noch härter vorzubereiten. Ich werde auf jeden Fall alles geben! 

Interview: Helena Stahl